KAFFEE GESCHICHTEN
Kleine Geschichten aus dem Leben der Kaffeebauernfamilien.
Das Leben der Kaffeebauern, die als Tagelöhner arbeiten müssen, sowie ihrer Familien, ist ungeheuer hart. Der Sohn einer bolivianischen Indiofamilie, die zur Plantagenarbeit von Hause weggegangen war, erzählt:
Wir waren gerade 2 Wochen auf der Finca, als mein kleiner Bruder an Unterernährung starb. Meine Mutter musste der Arbeit ein paar Tage fern bleiben, um ihn zu begraben. Zwei meiner Brüder sind auf der Finca gestorben. Felipe, den ältesten, habe ich nicht gekannt. Er starb, als sie von Flugzeug aus die Kaffeeplantage besprühten, während die Leute noch bei der Arbeit waren. Er hat das Pflanzenmittel nicht vertragen und ist gestorben.
Ich war acht Jahre alt, als mein Bruder Nicolá starb, und ich habe ihn sterben sehen. Er war der Jüngste von uns und gerade zwei geworden. Er weinte, weinte und weinte, und meine Mutter wusste nicht, was sie tun sollte. Er hatte einen ganz geschwollenen Bauch, weil er so unterernährt war. Schon seit dem ersten Tag auf der Finca ging es ihm sehr schlecht. Meine Mutter konnte sich auch nicht um ihn kümmern, weil sie sonst ihre Arbeit verloren hätte.
Zwei Wochen hat mein Brüderchen es ausgehalten, dann begann der Todeskampf. Wir wussten nicht, was wir mit ihm machen sollten. Außer uns arbeiteten nur noch zwei aus unserem Dorf auf der Finca, und die Übrigen auf verschiedenen anderen Plantagen. So fehlte uns der Zusammenhalt. Wir arbeiteten zwar in Gruppen, aber mit Leuten aus den anderen Dörfern, die wir nicht verstanden, weil sie eine andere Sprache sprachen. Spanisch verstanden wir auch nicht. Wir konnten uns nicht verständigen, aber wir brauchten doch Hilfe. An wen sollten wir uns wenden? Niemand, dem wir von unserer Not berichten konnten. Dem Aufseher am wenigsten. Er hätte uns wahrscheinlich gleich davon gejagt. Den Patron kannten wir nicht einmal. Meine Mutter war am Boden zerstört ...
Die Lebensbedingungen der Kaffeebäuerinnen und -bauern sowie ihrer Familien, die fair gehandelten Kaffee produzieren, sind erheblich besser. Und sie müssen auch nicht von Plantage zu Plantage ziehen. Die Rettung für Franciscas Familie ...
Francisca Minaya ist 48 und baut ihre Kaffeesträucher unter den Baumkronen am Steilufer des Rio Ahubamba, 1900 Meter über dem Meer, an. Ihr Hochlandkaffee gehört zu den bestens Kaffees ganz Perus. Reichtum brachte er Francisca in den vergangenen Jahren jedoch nicht ein. Denn an der New Yorker Kaffeebörse wurden im Juni 2003 nur etwa 59 US–Dollar pro 100 amerikanische Pfund [45,36 kg] Kaffee Arabica gezahlt. Was nach Abzug der Selbstkosten ihrer Kooperative für Transport, Endschälung, Sortierung, Verpackung und Direktvertrieb übrig bleibt, wäre der Ruin für sie und weitere 407 Familien der Kaffeebauern-Kooperative Huadquiña gewesen. Die Rettung kam durch den Fairen Handel. Statt der 59 US–Dollar auf dem Weltmarkt garantiert der Faire Handel den Kaffebauern-Genossenschaften 126 US–$ pro 100 amerikanische Pfund Arabica-Kaffee. Dank der verbesserten Einnahmen konnten Francisca und ihr Mann Leocardio ihre jüngste Tochter nun sogar auf die [recht teure] weiterführende Schule schicken. Aber auch sie beide und die anderen 3 Kinder haben durch das höhere Einkommen ein besseres Leben und können sich zwar keinen Luxus, aber doch all das leisten, was sie zum guten Auskommen brauchen. Und das ohne Sorge darum, was der nächste Tag bringt. So hat die Familie eine gute Zukunftsperspektive.
Quelle: Materialien zum Kaffeeparcours der F.A.I.R.E. Dresden
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